Microsoft Copilot: diese drei Varianten gibt es
„Copilot“ ist bei Microsoft ein Sammelname. Für den Büroalltag zählen drei Varianten. Sie unterscheiden sich vor allem darin, mit welchem Konto du dich anmeldest und worauf Copilot zugreifen darf.
- Copilot Chat mit Arbeitskonto: der KI-Chat für Firmen. Laut Microsoft ist er in berechtigten Microsoft-365-Plänen ohne Aufpreis enthalten. Du meldest dich mit deinem Arbeitskonto an (bei Microsoft heißt das Entra ID). Copilot Chat arbeitet vor allem mit Informationen aus dem Web und mit dem, was du selbst einfügst oder hochlädst. In Outlook und Teams kann er zusätzlich den geöffneten Inhalt einbeziehen.
- Microsoft 365 Copilot mit Zusatzlizenz: die kostenpflichtige Erweiterung. Copilot arbeitet dann direkt in Word, Excel, PowerPoint, Outlook und Teams und greift automatisch auf deine Arbeitsdaten zu, also Mails, Termine, Chats und Dateien, für die du ohnehin Rechte hast. Für die Variante Copilot Business (bis 300 Nutzer) nennt Microsoft 18,20 € pro Nutzer und Monat bei Jahresvertrag, zuzüglich Mehrwertsteuer. Bis 31. Dezember 2026 gilt ein Aktionspreis für das erste Jahr. Einige Zusatzfunktionen rechnet Microsoft nach Verbrauch ab.
- Privater Copilot: die Copilot-App mit privatem Microsoft-Konto. Die Grundversion ist kostenlos, private Microsoft-365-Abos enthalten Copilot-Funktionen in Word und Co. mit monatlichen Grenzen. Für Firmendaten ist diese Variante nicht gedacht, denn hier gelten die Datenschutzregeln für Verbraucher, nicht der Schutz für Unternehmen.
Lass dich von den Namen nicht verwirren. Microsoft benennt seine Produkte häufig um. In der aktuellen Dokumentation heißt die App „Microsoft 365 Copilot Chat“ inzwischen „Microsoft Copilot Chat“, als Hauptadresse nennt Microsoft copilot.cloud.microsoft. Gemeint ist dasselbe Werkzeug. Preise und Funktionen ändern sich ebenfalls oft, prüfe sie deshalb vor einer Entscheidung auf microsoft.com.
So startest du Copilot Chat in fünf Schritten
- 1
Mit dem Arbeitskonto anmelden
Öffne copilot.cloud.microsoft im Browser, die Copilot-App oder das Copilot-Symbol in Edge, Outlook oder Teams. Melde dich mit deiner Firmenadresse an, nicht mit einem privaten Microsoft-Konto.
- 2
Schutz prüfen
Achte auf den grünen Schild. Fehlt er, bist du vermutlich privat angemeldet. Wechsle dann das Konto.
- 3
Aufgabe klar beschreiben
Schreib, wer du bist, worum es geht, was du brauchst und in welcher Form. Wie das konkret aussieht, zeigen die Prompts weiter unten.
- 4
Material mitgeben
Copilot Chat kennt deine Firmendaten nicht von selbst. Füge den Text ein oder lade die Datei hoch, um die es geht, etwa ein Protokoll, eine Preisliste oder eine Excel-Tabelle.
- 5
Prüfen und nachschärfen
Lies das Ergebnis kritisch, korrigiere Fakten und bitte um Änderungen: kürzer, freundlicher, als Tabelle. Ein zweiter Durchgang im selben Chat bringt meist mehr als ein neuer Anfang.
Oben rechts kannst du das Modell wählen. Voreingestellt ist „Auto“: Copilot entscheidet dann selbst, ob eine schnelle Antwort reicht oder ob es gründlicher nachdenkt. Für knifflige Auswertungen oder längere Texte lohnt es sich, den gründlichen Modus bewusst einzuschalten.
Copilot Chat vs. ChatGPT: was ist der Unterschied?
Beide Werkzeuge beruhen auf großen Sprachmodellen. Microsoft setzt in Copilot Chat laut eigener Dokumentation unter anderem GPT-5 von OpenAI ein, also Modelle aus derselben Familie wie ChatGPT. Der Unterschied liegt deshalb weniger im Schreiben als in Konto, Datenschutz und Einbindung in den Arbeitsalltag.
| Copilot Chat (Arbeitskonto) | ChatGPT | |
|---|---|---|
| Anmeldung | Arbeitskonto deiner Firma (Microsoft Entra ID) | Eigenes OpenAI-Konto, privat oder im Firmenarbeitsbereich (Business, Enterprise) |
| Kosten | In berechtigten Microsoft-365-Plänen ohne Aufpreis | Kostenlose Version mit Grenzen, Bezahlpläne für Privatpersonen und Firmen |
| Datenschutz | Enterprise Data Protection, kein Training der Basismodelle mit deinen Eingaben | Business und Enterprise laut OpenAI standardmäßig ohne Training mit Firmendaten, privat in den Einstellungen abschaltbar |
| Wo es läuft | Browser, Copilot-App, Edge, Outlook, Teams | Browser, Apps für Computer und Handy |
| Zugriff auf Firmendaten | Was du einfügst oder hochlädst, in Outlook und Teams der geöffnete Inhalt, voller Zugriff nur mit Lizenz | Was du einfügst oder hochlädst, Anbindungen an weitere Dienste je nach Plan |
| Steuerung durch die IT | Zentral über das Microsoft-365-Admin-Center | Nur in Business und Enterprise zentral verwaltbar |
Die Faustregel: Arbeitet eure Firma mit Microsoft 365, ist Copilot Chat mit Arbeitskonto meist der naheliegende Start. Er ist schon da, er ist geschützt, und die IT kann ihn steuern. ChatGPT passt, wenn ihr eine Business-Lizenz habt oder du privat ohne Firmendaten arbeitest. Entscheidend ist ohnehin nicht das Werkzeug, sondern dass du gute Aufträge formulierst und Ergebnisse prüfst. Das funktioniert in beiden gleich.
Copilot im Büro nutzen: 7 Anwendungen mit Prompts
Die folgenden Prompts kannst du direkt kopieren. Ersetze die Angaben in eckigen Klammern durch deine eigenen. Alle Beispiele funktionieren mit Copilot Chat ohne Zusatzlizenz, weil du das nötige Material selbst mitgibst.
1. Mail entwerfen. Gerade unangenehme Mails schreiben sich mit einem Entwurf schneller. Je genauer du die Lage beschreibst, desto weniger musst du nacharbeiten.
Du bist Assistenz im Vertrieb eines Handwerksbetriebs.
Kontext: Ein Kunde hat sich beschwert, weil die Fenster zwei Wochen später kommen als zugesagt. Grund ist ein Lieferengpass beim Hersteller. Neuer Termin: [Datum].
Aufgabe: Schreib eine Antwortmail, die sich entschuldigt, den Grund kurz erklärt und den neuen Termin nennt.
Format: höchstens 120 Wörter, freundlich, Anrede „Sie“, mit Betreffzeile.2. Mailverlauf zusammenfassen. In Outlook kann Copilot Chat die geöffnete Mail samt Verlauf lesen. Du musst nichts kopieren.
Fasse diesen Mailverlauf in fünf Stichpunkten zusammen.
Nenne danach getrennt:
1. offene Fragen
2. Zusagen mit Datum
3. wer was bis wann erledigen soll3. Protokoll erstellen. Aus Stichpunkten oder einer Mitschrift wird in einer Minute ein lesbares Protokoll. Wichtig ist der Satz, dass nichts dazuerfunden werden darf.
Hier sind meine Notizen aus der Teambesprechung.
Erstelle daraus ein Protokoll mit diesen Teilen:
1. Teilnehmende und Datum
2. Beschlüsse
3. Aufgaben als Tabelle mit den Spalten: Aufgabe, verantwortlich, Frist
4. Offene Punkte für das nächste Treffen
Erfinde nichts dazu. Wenn etwas unklar ist, markiere es mit [prüfen].
[Notizen einfügen]4. Text kürzen. Newsletter, Website, Social Media: Oft ist der Text da, aber zu lang. Sag Copilot, was bleiben muss.
Kürze den folgenden Text auf etwa 80 Wörter.
Zielgruppe: Kundinnen und Kunden ohne Fachwissen.
Behalte: Termin, Preis und Anmeldelink.
Streiche: Fachbegriffe, Wiederholungen, Füllwörter.
Gib mir zwei Varianten, eine sachlich, eine locker.
[Text einfügen]5. Tabelle auswerten. Lade eine Excel-Datei hoch und frag nach Mustern. Lass dir zeigen, woher jede Zahl kommt, damit du sie nachrechnen kannst.
Ich habe eine Excel-Datei mit unseren Umsätzen nach Monat und Produktgruppe hochgeladen.
1. Welche drei Produktgruppen sind am stärksten gewachsen, welche am stärksten gefallen?
2. Gibt es auffällige Monate? Nenne mögliche Gründe als Vermutung, nicht als Tatsache.
3. Schlag ein passendes Diagramm für die Geschäftsführung vor.
Zeig zu jeder Zahl, aus welchen Spalten und Zeilen sie stammt.6. Recherche mit Quellen. Copilot Chat kann im Web suchen. Verlange ausdrücklich Links zu offiziellen Seiten und öffne sie danach selbst, denn auch mit Quellenangabe können Details falsch oder veraltet sein.
Recherchiere: Welche Förderprogramme für die Digitalisierung kleiner Unternehmen gibt es aktuell in [Bundesland]?
Nenne zu jedem Programm: Name, Träger, wer gefördert wird, Link zur offiziellen Seite.
Nutze nur offizielle Quellen von Ministerien, Förderbanken oder Kammern.
Schreib dazu, wenn du dir bei einer Angabe nicht sicher bist.7. Angebot vorbereiten. Bei größeren Aufgaben hilft ein Trick: Lass Copilot zuerst Rückfragen stellen. So bekommst du eine Gliederung, die zu deinem Fall passt, statt eines allgemeinen Musters.
Ich bereite ein Angebot für [Leistung] für [Kunde, Branche] vor.
Erstelle eine Gliederung mit: Ausgangslage, Leistungen in Paketen, Zeitplan, was wir vom Kunden brauchen, nächste Schritte.
Stell mir vorher bis zu fünf Rückfragen, die du für ein gutes Angebot brauchst.Gute Prompts: Rolle, Kontext, Aufgabe, Format
Ein Prompt ist dein Auftrag an die KI. Die meisten schwachen Antworten entstehen aus zu knappen Aufträgen wie „Schreib eine Mail an den Kunden“. Copilot weiß dann weder, um welchen Kunden es geht, noch, was die Mail erreichen soll. Mit vier Bausteinen wird fast jeder Prompt besser.
- Rolle: Aus welcher Sicht soll Copilot schreiben? Zum Beispiel als Assistenz der Geschäftsführung, als Personalreferentin oder als Lektor.
- Kontext: Worum geht es, für wen ist das Ergebnis, was ist schon passiert? Hier gehören auch eingefügte Texte und hochgeladene Dateien hin.
- Aufgabe: Was genau soll Copilot tun? Ein klares Verb hilft: zusammenfassen, kürzen, vergleichen, entwerfen.
- Format: Wie soll das Ergebnis aussehen? Länge, Aufbau, Ton, etwa „5 Stichpunkte“, „Tabelle mit drei Spalten“ oder „Mail mit Betreff, höchstens 150 Wörter“.
Rolle: Du bist [Rolle].
Kontext: [Worum geht es? Für wen? Was ist schon passiert?]
Aufgabe: [Was genau soll Copilot tun?]
Format: [Länge, Aufbau, Ton]Drei Gewohnheiten machen den Rest. Erstens: Arbeite im selben Chat weiter und gib Rückmeldung, statt neu anzufangen. Zweitens: Zeig ein Beispiel, wenn du einen bestimmten Stil willst, etwa eine ältere Mail, die gut ankam. Drittens: Bitte Copilot bei unklaren Aufgaben um Rückfragen, bevor es loslegt.
Grenzen: was dir Copilot Chat nicht abnimmt
Copilot Chat spart Zeit, aber die Verantwortung für das Ergebnis bleibt bei dir. Diese Punkte solltest du kennen.
- Fehler sind normal: Copilot formuliert überzeugend, auch wenn etwas falsch ist. Zahlen, Namen, Termine und Zitate prüfst du immer selbst. Der Datenschutz für Unternehmen schützt deine Daten, er prüft nicht die Antworten.
- Quellen kontrollieren: Öffne bei Recherchen die Links und prüfe, ob die Seite das wirklich sagt und aktuell ist.
- Sensible Daten nur im Arbeitskonto: Kundendaten, Personaldaten und Geschäftsgeheimnisse gehören nie in einen privaten Copilot oder ein privates ChatGPT-Konto. Auch im Arbeitskonto gilt: nur so viel eingeben, wie die Aufgabe braucht, und Namen weglassen, wo es geht.
- Websuche mitdenken: Laut Microsoft gehen Suchanfragen, die Copilot aus deinem Prompt erzeugt, an die Suchmaschine Bing. Sie werden ohne Nutzer- und Firmenkennung übertragen, fallen aber unter andere Bedingungen als deine Prompts, und die EU-Datengrenze gilt für sie nicht. Bei vertraulichen Themen schreibst du Namen und Details deshalb besser nicht in Fragen, die eine Websuche auslösen.
- Betriebliche Regeln gehen vor: Viele Firmen haben eine KI-Richtlinie oder Absprachen mit dem Betriebsrat. Die gelten zuerst. Gibt es keine, frag nach, bevor du loslegst.
Copilot-Schulung: so lernt dein Team den Umgang
Copilot freizuschalten reicht nicht. Wer ihn ohne Einführung bekommt, nutzt ihn leicht nur wie eine Suchmaschine und wundert sich über mittelmäßige Antworten. Besser ist ein kurzer gemeinsamer Start mit klaren Regeln und echten Aufgaben aus eurem Alltag.
- 1
Regeln klären
Welche Konten, welche Daten, welche Aufgaben? Haltet das auf einer Seite fest, damit alle denselben Stand haben.
- 2
Gemeinsame Grundschulung
Alle lernen dieselben Grundlagen: Varianten, Datenschutz, Aufbau guter Prompts, Ergebnisse prüfen. 90 Minuten reichen für einen soliden Start.
- 3
Eigene Anwendungsfälle mitbringen
Jede Person bringt zwei Aufgaben mit, die jede Woche anfallen, etwa Protokolle, Angebote oder Kundenmails. Die setzt ihr gemeinsam als Prompt um.
- 4
Prompt-Sammlung anlegen
Gute Prompts landen in einer geteilten Datei oder auf einer Teams-Seite. So fängt niemand bei null an.
- 5
Nach vier Wochen nachfassen
Was funktioniert, was nicht? Kurzer Austausch, Sammlung aktualisieren, Regeln anpassen.
Microsoft stellt selbst kostenloses Material bereit, etwa Videoanleitungen im Support-Bereich und ein Trainer-Kit als PowerPoint. Das ist ein guter Einstieg, bleibt aber allgemein. Wenn du Copilot Chat und ChatGPT an echten Büroaufgaben üben willst, ist das Online-Seminar „KI-Kompetenz kompakt“ genau dafür gemacht: 90 Minuten live, mit Prompts zum Mitnehmen, 179 € pro Person. Für ganze Teams gibt es das Inhouse-Seminar „KI im Arbeitsalltag“.



